De Schäng meint

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Das City-Forum darf nicht zum Wohnzimmer der AfD werden!

In der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von 1933 – 1945 brachten die Nazis rund sechs Millionen Juden um. In den Kriegsgefangenenlagern krepierten drei bis vier Millionen Angehörige der Roten Armee. In den besetzten Gebieten kam es zu wahllosen Massakern, bei denen ganze Dörfer und ihre Bewohner vernichtet wurden. Sinti und Roma, Homosexuelle, die Opfer der Euthanasie (vor allem geistig Behinderte), Bibelforscher und Zeugen Jehovas und und und – es gab viele Menschen, die die Nazis als “minderwertig” abstempelten und die sie nicht in ihrem “gesunden Volkskörper” haben wollten und die als Folge ermordet wurden.

Bei all diesen unfassbaren Verbrechen wird schnell vergessen, wer die erste Gruppe (neben den Kommunisten und Sozialdemokraten) war. die von den Nazis in die Lager verschleppt wurde: die sogenannten “Asozialen”: Alkoholiker, Kleinkriminelle, Prostituierte, Bettler, Landstreicher, “Arbeitsscheue”. Und dabei konnten sich die Nazis der Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung, auch ihrer Nichtanhänger sicher sein: wurde doch endlich konsequent mit dem Gesöcks aufgeräumt.Und dann drehte sich die Spirale der Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung unhaltbar weiter: Entfernung der Juden und politisch Missliebiger aus dem öffentlichen Dienst und von den Universitäten, Nürnberger Rassegesetze, die Reichspogromnacht, Judenghettos in Osteuropa, schließlich die Wannseekonferenz, bei der Karrierebeamte den industriellen Massenmord generalstabsmäßig planten. Am Ende des Krieges waren Gewalt und Mord so selbstverständlich geworden, dass 16jährige Angehörige des SS-Division Hitlerjugend kaltblütig amerikanische Kriegsgefangene erschossen.

Heute ist wieder eine Partei mit Ausgrenzungsparolen auf Rattenfang. Und sie erhält dafür erschreckend starken Zulauf. Der Tabubruch wurde ritualisiert: erst kommt der Post auf Twitter oder Facebook, bei dem man sich unverhohlen auch “völkischen”, sprich rechtsradikalen Vokabulars bedient, dann das halbherzige Dementi, alles sei falsch verstanden, falsch wiedergegeben worden, schließlich sei man eine demokratische Partei. Und diese Partei hat sich nun offenbar Euskirchen als ihre bevorzugte Bühne für ihre Auftritte ausgesucht. Als Angehöriger der Gruppe, die von den Nazis zuerst verfolgt wurde sage ich in aller Deutlichkeit:

Ich will diese AfD in meiner Stadt nicht haben!

Und ich bin sicher, dass es vielen Menschen genauso geht und das diese Menschen immer noch die große Mehrheit der Gesellschaft sind. Sich dann wie Bürgermeister Dr. Uwe Friedl auf die streng legalistische Position zurück zu ziehen ist arm. (Ganz davon abgesehen, dass ich mir diese absolute Gesetzestreue auch beim Umgang mit den Jahresabschlüssen gewünscht hätte.) Sicher, (noch) ist die AfD nicht verboten, sicher, sie sitzt in vielen kommunalen Räten und auch leider in immer mehr Landtagen. Und trotzdem muss es für eine Stadt möglich sein, zu sagen: “Wir vermieten unsere Stadthalle nicht an DIESE Partei”.

Und dabei muss man noch nicht einmal lügen oder Gesetze brechen. Unsere ehemalige Fraktionsvorsitzende Martina Grundler hat gestern bei unserem Weihnachtsessen einmal mehr ihren Esprit bewiesen und eine Reihe pfiffiger Ideen entwickelt, was man ganz legal gegen die Anmietung des EUCFs durch die AfD machen kann. Vor zwei Wochen zeigte eine breit aufgestellte Versammlung Herz und demonstrierte so, dass die ganz große Mehrheit ein für alle offenes Euskirchen will. Wir werden unsere Ideen weiter entwickeln und weiter zeigen, dass wir die AfD bei uns nicht haben wollen und wir hoffen, dass dann wieder viele mit uns sagen (auch die, die bislang Abseits stehen):

Wir wollen diese AfD nicht in unserer Stadt haben!

In diesem Sinne wünsche ich Euch besinnliche Weihnachtstage und

bes denächst

Euer Schäng

PS Um vorzubeugen, dass mir das scheinbare Toleranz-Paradoxon vorgeworfen wird: es ist die AfD selbst, die sich ausgrenzt, indem sie das, was Heinrich August Winckler so treffend das normative Projekt des Wttsens nennt, offen in Frage stellt. Sobald sie sich wieder in den Kanon derer einreiht, die dieses normative Projekt weiter entwickeln wollen werde ich sie selbstverständlich wie alle anderen Parteien und politische NGOs behandeln.

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  1. michael thomas bauer

    Guter Schäng. Fällt es schwer dem was du schreibst etwas nach zu setzen. Kann ich deinen Ansatz dem Deutschen Reinheitsgebot zu folgen und alles das aus zu grenzen was sich nicht von selber ausgrenzt nicht verstehen. Der Delikatessenladen Demokratie so zu sagen. Alle inneren wie äußeren Probleme denen selber überlassen, die für das Problem zuständig sind und es auch bedeuten. Die Wolfsjungen Lösung ist dein Weg? Ohne zu beleidigen, von seinen politischen Gegnern mehr zu erwarten als von sich selber, mag eine Taktik sein. In der Wirklichkeit auch ein Ratgeber den es zu beachten gilt. Willst du ein fahrendes Volk, dass auf seinem Weg mehr von denen einsammelt, die wie sie sind. Ausgegrenzte? In der Politik haben viele Faktoren ihre Betätigung. Ausgrenzung ist ein Ergebnis eines oder mehrerer Faktoren. Ist dein Ansinnen von Parlament sicher ein Guter. Eine Haltung wie “mit ihnen rede ich erst” hat sicher einen Platz. Genau wie Toleranz diese hat. Nur einem Paradox ein paradoxes Handeln zu entgegnen, kann und ist keine freie Handlung. Sondern der gewünschte Effekt aus dem Paradox. Andererseits wie viele paradoxe Effekte werden aus der Politik heute schon wiederholt wahrgenommen? Mal ein Beispiel; Die in der Vergangenheit so oft kritisierte Politikverdrossenheit der Bevölkerung. Wandelt sich in ein Gutmenschenaufgebot. Politischer Stoff ist überall zu finden. Was hat die AfD getan, diesen eingesammelt. Was willst du gegen eine Bereitschaft in der wahlberechtigten Bevölkerung tun sich für politischen Stoff zu interessieren und diesen aufzugreifen. Da kommt die Frage auf wovon Demokratie lebt und wie sie sich erhält und ausdrückt. Wird bis jetzt Demokratie noch nicht auf der Straße entschieden. Sollte es vielleicht wieder, denn der Boulevard ist eine soziale Ebene auf der man sich trifft. Alle Bürger ausnahmslos das Recht haben diesen zu betreten und zu nutzen. Ungeachtet des Ansehens sich darauf bewegen müssen und dürfen. OK, mag das ein Griff in eine Vergangenheit sein, der wir nicht mehr inne ruhen. Auch hier gibt es die Gruppen, der sich selber ausgrenzenden. Und das sind in der Regel alle die, die sich konform verhalten. Den sichtbaren und unsichtbaren Regeln sich anvertrauen. Da ist die Schieflage schon sichtbar. In der Gesellschaft ist es nicht möglich sich allgemein gegenseitig anzuvertrauen. Braucht es dazu wenig erklärender Beispiele. Der einzige weit sichtbare Mensch auf dem Boulevard der seine Privatsphäre so weit öffnet dass er klar zu erkennen ist, ist der Bettler. Der sammelt das ein was er überlassen bekommt. Ein Vermächtnis der Straße. Ist dies nun ein Ergebnis von Ausgrenzung aus oder durch die Gesellschaft? Braucht es da Abhilfe? Die Frage nach der real politischen Existenz eines Problems, lässt erst einmal das Problem sichtbar werden. Eine Manifestation zu einer anderen Schicht der Wahrnehmung. Das braucht es erst einmal um die Welt zu begreifen, den Gedanken folgen zu können. Die Ausmaße erkennbar zu machen. Jetzt kommt es zu Bauch und Kopf. Der persönlichen Bewältigung und Frage zu einem Problem. Lösen hilft das noch nicht. Es zeigt einen Umgang auf. Den haben wir, den brauchen wir nur zu erweitern.

    ein Zitat von Platon: “Wer in der Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Masse getötet.”

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